Baudenkmal FHH

        
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Laut nachfolgender Begründung ist das Fritz-Henßler-Haus/Haus der Jugend seit dem 17.12.98 vorläufig unter Denkmalschutz gestellt worden.

Vorläufige Unterschutzstellung gem. § 4 DSchG

Objekt.- Bornstraße 1 - Fritz-Henßler-Haus -, 44135 Dortmund

          hier: Anlage zum Bescheid vom 17.12.98

Denkmalumfang:

Das gesamte Gebäude mit seinem Äußeren und Inneren. Beim Inneren ist besonders auf die originale Raumaufteilung, die wandfeste Ausstattung der 50er Jahre wie etwa Fußböden, Wandverkleidungen, Holz- und Keramiktreppen mit Geländern, Türen, Fensterbänken, Schaukästen und das Wandmosaik und Relieffenster im Eingangsbereich hervorzuheben. Dazu gehört auch die Ausstattung des Saales mit Vertäfelung; Bestuhlung, Beleuchtung, Bühne, Filmleinwand und zwei Vorführgeräte.

Neben dem Gebäude umfaßt der Denkmalumfang auch die Gartenhofgestaltung. Hervorzuheben ist hierbei die blockartige Wasserskulptur und die "Paulownia" der Grünbepflanzung. Der Bodenbelag und ein eingetieftes Wasserbecken gehören in ihrer Struktur zum Denkmalumfang aber nicht in ihrer materiellen Substanz. Ausgenommen vom Denkmalumfang ist das Podium.

Die "Turm-Plastik" von Helga Waldhut-Bresau vor der Stirnwand des viergeschossigen Ostflügels.

Denkmalwertbegründung:

Das Fritz-Henßler-Haus liegt am Schwanenwall zwischen Born- und Geschwister-SchollStraße an der Schnittstelle der Dortmunder Innenstadt zur Nordstadt. Der Wall umgibt als Ringstraße die Innenstadt, seitdem im 19. Jahrhundert die dort verlaufenden mittelalterlichen Stadtbefestigungen geschliffen wurden. Auch nach den starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg behielt man die Straßenführung im großen und ganzen bei. Verkehrstechnisch erhielt sie sogar stärkere Bedeutung, da sie nun als vier- bis sechsspuriger Umgehungsring die City vom Durchgangsverkehr freihalten, in einigen Teilen dazu Grüngürtel und Autoparkmöglichkeit sein sollte. Die Bornstraße bekam ihren Rang dagegen erst nach dem Wiederaufbau der Stadt. Sie ist jetzt die große Zubringerstraße, die vom Norden zur Innenstadt führt und dort in die nach dem Kriege neu geschaffene wichtigste Nord-Süd-Achse der City einmündet, den inzwischen abschnittsweise zur Fußgängerzone umgewidmeten Straßenzug Kuckelke/Kleppingstraße. Das Pendant zur Kreuzung Schwanenwall/Bornstraße bildet im Süden das sogenannte Neutor, wo Kleppingstraße, Süd-/Ostwall, Ruhrallee und Märkische Straße aufeinandertreffen.

Für das Fritz-Henßler-Haus als Haus der Jugend und Haus der Bildung war und ist besonders wichtig der räumliche Bezug sowohl zur Innen- als auch zur Nordstadt. Wie das im Krieg zerstörte, am 5. Mal 1929 eingeweihte kleinere "Haus der Jugend" am selben Standort sollte es die Funktion einer zentralen Institution erfüllen, die aus allen Stadtteilen gut zu erreichen ist. Während man aus den anderen Stadtteilen zum Fritz-Henßler-Haus mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen kann, liegt es für die Bewohner der Nordstadt in einer Entfernung, die gut zu Fuß zurückzulegen ist. Die soziale Struktur der Nordstadt, die einst in direktem räumlichen Zusammenhang mit den dortigen Industrieansiedlungen im 19. Jahrhundert als dicht mit Arbeitermiethäusern bebauter, relativ wenig durchgrünter und -belichteter Stadtteil entstand, war nach dem 2. Weltkrieg - und ist es bis heute - von eher einkommensschwachen Schichten bestimmt. Den Kindern und Jugendlichen dieser Bevölkerung ein Zentrum anzubieten, war und ist auch heute noch ein besonderes Anliegen. Gerade der vor 1933 und nach dem 2. Weltkrieg die Geschicke der Stadt in starkem Maße bestimmenden Sozialdemokratischen Partei war es wichtig, der Jugend Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich in demokratischem Verhalten einzuüben, sich kulturell weiterzubilden und in der Begegnung soziale Fähigkeiten zu erlernen. So richtete die Stadt Dortmund 1929 - vor Leipzig und Frankfurt/Main - das erste kommunale "Haus der Jugend" Deutschlands ein. Nach seiner Zerstörung im Krieg wurde deshalb recht bald der Wunsch geäußert, Ersatz zu schaffen. Vor allem die im Stadtjugendring vertretenen Gruppen wünschten für sich Räumlichkeiten. So wandten sich am 20.01.1950 Vertreter der Jugendgruppen an Oberbürgermeister, Rat und Verwaltung mit dem dringenden Aufruf, daß es an Heimen und Einrichtungen fehle, und zwar nicht nur für die "gefährdete", sondern gerade auch für die "gesunde" Jugend. Auch die Sozialdemokratische Partei hatte spätestens nach dem Berliner Kommunalwahlkampf von 1948 die Einrichtung von Jugendhäusern in allen Städten in ihr Programm aufgenommen. Allerdings legten alle Beteiligten Wert darauf, zunächst kleinere Freizeitheime in den einzelnen Stadtteilen zu bauen, was auch geschah. Von insgesamt 16 für die Dortmunder Vororte geplanten Häusern waren 1956 vor Einweihung des Fritz-Henßler-Hauses bereits zwölf den Nutzern übergeben. Mit der Geschichte des Fritz-Henßler-Hauses verbinden sich einige bedeutsam Daten: Im November 1955 war nach Beseitigung der Ruinentrümmer des vor dem 2. Weltkrieg kleinteilig bebauten Gebietes und den ersten Ausschachtungsarbeiten das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert worden. Zum erstenmal hatte die Stadt, die an Planung und Bau durch Dipl.-Ing. Gerlach vertreten war, mit dem Entwurf und der Durchführung einen privaten Architekten bestellt: Fido Spröde, der, bevor er sich als selbständiger Architekt niederließ, als Regierungsbaumeister gearbeitet hatte. In den Amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Dortmund vom 04.11.1955 wird dies damit begründet, "weil der Bau sowohl Erwachsenen wie auch Jugendlichen dienen solle, besondere Anforderungen an eine sinnvolle Gestaltung stelle." Diese Kombination von "Haus der Jugend" und "Haus der Bildung" war - lange Zeit - nicht unumstritten. Schon bei Planung des Raumprogramms, besonders aber bei der späteren Nutzung, traten immer wieder Konflikte auf zwischen "Haus der Jugend"/Jugendpflege einerseits und den "erwachsenen Bewohnern" (Volkshochschule, Rheinisch-Westfälisches Auslandsinstitut und Stadtbildstelle). Auch die Öffentlichkeit fand es schwer, die zweifache Aufgabe zu sehen. Je nach Bezug sprach man häufig entweder nur vom "Haus der Jugend" oder vom Kulturhaus oder Haus der Bildung. Hinzu kam, daß der Landesjugendplan Beihilfen nur für den Bau von Jugendheimen vorsah. Um für einen Mehrzweckbau Gelder erhalten zu können, war neben eindeutigen Raumzuteilungen zusätzlich die Bildung eines Kuratoriums vorgeschrieben, dessen Mitglieder zu mehr "als 50 % in der praktischen Jugendpflegearbeit stehen sollen" (Verfügung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe vom 29.12.1955 unter Bezug auf das Ministerialblatt NW 56 vom 16.06.1953, S. 753). In Dortmund setzte sich das Kuratorium aus fünf Vertretern des Kulturamtes, zwei Vertretern des Jugendamtes, dem dreiköpfigen Vorstand des Dortmunder Jugendrings sowie dem Vorsitzenden des Jugendwohlfahrtsausschusses zusammen.

Am 14.12.1955 legte der damalige Oberbürgermeister Dietrich Keuning im Rahmen einer Feierstunde, an der neben allen Ratsmitgliedern auch der Oberstadtdirektor, Teile der Verwaltung sowie "führende Persönlichkeiten des kulturellen Lebens und der Dortmunder Jugendverbände" teilnahmen, den Grundstein für das neue Gebäude. Dieses Datum spielt eine besondere Rolle in der Dortmunder Stadtgeschichte, tagte doch am 14.12.1945, also genau zehn

Jahre zuvor, die erste Ratsversammlung nach Diktatur und Krieg. Diese wählte aus ihrer Mitte Fritz Henßler zum ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister. Ihm zum Gedenken und zu Ehren gaben die Ratsmitglieder in einem einstimmigen Beschluß dem "Haus der Jugend, Haus der Bildung" dem Namen Fritz-Henßler-Haus, um damit auch seinen Vorbildcharakter für die neue demokratische Entwicklung deutlich zu machen.

Fritz Henßler, geboren am 12. April 1886 in Altensteig/Württemberg, entstammte einer kinderreichen Arbeiterfamilie. Nach einer Buchdruckerlehre zog er nach Westfalen, wo er sich der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung anschloß. Dort wurde er nach disziplinierter Weiterbildung 1911 Redakteur der Dortmunder sozialdemokratischen Arbeiterzeitung, die er dann von 1919 bis zum Beginn der Nazidiktatur als Chefredakteur leitete. Seine politische Karriere begann als Dortmunder Ratsmitglied 1924. Von 1925 bis 1933 war er Stadtverordnetenvorsteher, seit 1930 auch Mitglied des Deutschen Reichstages. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verhaftete ihn die Gestapo 193 6 wegen seiner politischen Überzeugungen. Die nächsten neun Jahre erlitt er Willkürherrschaft, Zwangsarbeit und Folter in Gestapo-Gefängnissen und Konzentrationslagern. Nach seiner Rückkehr im Sommer 1945 nach Dortmund begann er sofort wieder mit der Gewerkschaftsarbeit. Von Anfang an war er auch Mitglied des Stadtparlaments und der erste Oberbürgermeister Dortmunds. Später zog er als Mitglied sowohl in den Landtag von Nordrhein-Westfalen als auch in den Deutschen Bundestag ein. Trotz des in der Vergangenheit erlittenen Unrechts strebte er nach Ausgleich und Verstehen des politischen Gegners. Besonderes Augenmerk legte er auf die demokratische Erziehung der Jugend, die er zu Loyalität und Toleranz fuhren wollte. Deshalb war er bis zu seinem - wohl auch durch die Folgen der KZ-Haft bedingten - Tode am 4. Dezember 1953 einer der eifrigsten Förderer des später nach ihm benannten Hauses.

In der in den Grundstein eingemauerten Urkunde heißt es, das Fritz-Henßler-Haus werde alle Einrichtungen, die der geistig-sittlichen Jugendpflege zugute kommen sowie alle Institute und Vereinigungen, die der allgemeinen und freien Erwachsenenbildung dienen, aufnehmen. Die Urkunde schließt mit dem Gruß "Glück aufl ", der 1955 für Dortmund noch praktische Bedeutung hatte, da noch mehrere große Zechen in den Grenzen der Stadt arbeiteten und hier 10 % der gesamten Ruhrkohleförderung abgebaut wurden.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die feierliche Einweihung am 25.10.1956. Auch hier wurde noch einmal bewußt an die Vergangenheit angeknüpft. So überreichten die Architekten Fido Spröde und Dietrich Gerlach Oberbürgermeister Keuning nicht irgendeinen neuen Schlüssel, sondern den des alten "Hauses der Jugend", um damit die Tradition, in der das Fritz-Henßler-Haus steht" zu verdeutlichen. Oberbürgermeister Keuning betonte in seiner Ansprache vor großem Publikum, u.a. vor der Witwe Fritz Henßlers und dem nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit und Soziales, noch einmal, daß dieses Haus als ein Denkmal für diesen Kämpfer für eine soziale rechtsstaatliche Ordnung auf demokratischer Basis errichtet worden sei. Seinem Vermächtnis und auch dem der Geschwister Hans und Sophie Scholl, zu deren Ehren seit 1956 die am Fritz-Henßler-Haus vorbeiführende Holzhoffstraße den Namen Geschwister-Scholl-Straße trägt, solle das Fritz-Henßler-Haus dienen, da es als Stätte der Begegnung zwischen Jugendlichen, aber auch zwischen Jüngeren und Älteren gedacht sei. Deshalb sei dieses Haus gebaut worden, noch ehe alle dringend benötigten Wohnungen und Schulen fertiggestellt seien. Zur Frage der Architektur betonte er, daß sie vielleicht Anlaß zu Diskussionen gäbe, aber sie entwickele die "Formen unserer Zeit", brächte das Wollen der Gegenwart zum Ausdruck.

Ein Blick auf den Grundriß zeigt, daß Fido Spröde, der wohl hauptsächlich f'ür Idee und Entwurf verantwortlich zeigte, einen Vierflügelbau entwickelte, dessen Westbau leicht über die Fluchtlinien des Süd- bzw. Nordflügels hinausragt. Eine erste Asymmetrie im Grundriß bildet dagegen der zum Schwanenwall deutlich die Grundlinien des Karrees überschreitende Ostbau. Der Baugedanke der 1950er Jahre - weg von Regelmäßigkeit und strengem Aufbau zu verspielter unregelmäßiger Geometrie und zu eher organisch geprägten Formen - zeigt sich im Grundriß des Anbaus für Saal mit Bühne und Lesesaal. Diese beiden großen Raumkomplexe, mit dem Vierflügelbau durch die Eingangshalle des ".Hauses der Jugend" verbunden, sind schräg versetzt im Winkel zueinander geordnet, so daß die gemeinsame Vorhalle auf unregelmäßiger Trapezform gründet. Aber erst im Aufbau wird das ganze Formenvokabular dieser Architektur greifbar deutlich, die im Fritz-Henßler-Haus zum erstenmal Ausdruck in einem Großgebäude der Innenstadt Dortmunds fand: Die unterschiedlichen Geschoßhöhen der einzelnen Gebäudetrakte vermitteln ebenso wie die kontrastreiche Gestaltung der Wände das Flair von Experimentierfreude, Leichtigkeit und Eleganz, mit dem man sich bewußt gegen andersartige Architektur, die sich mehr der Tradition verpflichtet fühlte, absetzte. In Glas aufgelöste Wände kontrastieren zu solchen, die kleine oder größere Fensteröffnungen haben. Stahlbetonskelett-Bauweise wechselt sich ab mit gemauerten Wänden. Dem Schwanenwall zugewandt gibt es am Ostbau eine mit Natursteinplatten verkleidete Wand, für deren Wirkung die von Helga Wendhut-Bresan im Rahmen des Programms Kunst am Bau geschaffene Skulptur aus spitzwinkligen Formen auf dünnen Stelzen bedeutsam ist. Besonders bei Südsonne ergibt sich ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten. Der Stirn des Westbaus ist zur Straßenkreuzung hin eine geschlossene Fassade aus Naturstein mit sichtbaren Bruchkanten vorgesetzt, die aber durch schräg abfallende Linien einen eher mobilen Eindruck erhält. Verstärkt wird dies durch eines der "schwebenden Dächer", eine frei herausgezogene Stahlbetonkragplatte, für die die Architektur der 1950er Jahre berühmt sind. Daneben gibt es gelb verklinkerte Wände, die von einem dezenten quadratischen Raster aus blauen Keramikplatten überzogen sind, einheitlich blau mit weißen Fugen geflieste Balkons und Wandflächen sowie die in verschienen Blautönen mosaikartig verkleidete Wand an der Bornstraße mit gelbem Rautenmuster. Glatte Fassaden, deren eher graphischer als plastischer Aufbau noch durch den Einbau moderner Metallfenster ohne Fensterbank gestärkt wird, setzen Kontrapunkte zu scheinbar aus der Wand nach oben "herauskippenden" Elementen wie beispielsweise beim Lesesaal (jetzt Café). Dachabschlüsse in der Fluchtlinie konkurrieren mit weit herausragenden, dünnen', "fliegenden" Dächern oder dem gewölbten Dach über dem Bühnentrakt und dem innenarchitektonisch bedingten Schrägdach über der Bücherei. Die Dachterrasse mit Zick-Zack-Geländer auf dem Nordbau schützt zur Hälfte ein für die 1950er typisches Dach auf dünnen Stahlstützen mit kreisrunden Ausschnitten. Vom ersten Stockwerk des Südbaus gelangt man über einen auf einer Pilzsäule ruhenden Balkon in runden, organischen Formen und eine frei schwingende Treppe in den Innenhof, der von Anfang an zur aktiven Nutzung vorgesehen war und über mehrere Zugänge aus den umliegenden Flügeln betreten werden kann. Hier werden in besonderer Weise die Raumgrenzen zwischen Innen und Außen überspielt, wobei auch die großflächige, beinahe Vollverglasung des Süd- und Nordflügels eine bedeutende Rolle spielt. Diese Elemente des organischen Bauens werden bei der Innenhofgestaltung mit eingetieftem Wasserbecken, Brunnen- und Wasserskulpturen sowie der Gruppierung von teils immergrünen, teils laubabwerfenden Baum- und Strauchbewuchs.

Im Innern setzt sich dieses Spiel von Formen, Farben und Material fort. Die Gänge und Flure verklinkerten die Architekten in unterschiedlichen Farbkombinationen und -schattierungen, die Böden ließen sie mit Kunststeinen - in den repräsentativen Bereichen in unterschiedlicher Größe und Form - auslegen. In anderen Verkehrsbereichen verwendete man Holzlamellenverkleidungen und farbige PVC-Böden. Die aufgrund der verschiedenen Funktionen als Haus der Jugend und als Haus der Bildung besonders vorgesehenen Trennungen der Räumlichkeiten sind transparent: verschließbare - aber eben auch zu öffnende - Glastüren mit Stahlrahmung setzen aufhebbare Grenzen. Die "geringelten" Türgriffe sind ebenso zeittypisch wie die leichten Treppengeländer aus Metall mit Mipolam-Handlauf Repräsentativ gestaltet hatte die Eingangshalle zwischen dem Haus der Jugend und Bühnensaal/Lesesaal Prof. August Schwarz aus Berlin mit einem Mosaik, das Stationen aus dem Leben Fritz Henßlers zeigt. Spitzwinklige Stahlrahmen und Reliefs betonen und verzieren die großen Glasflächen. Die Hörräume, Säle und der Zuschauersaal der Bühne sind zum Teil mit Holz vertäfelt, oft in der für die 1950er Jahre typischen Lamellenform. Schräg nach oben vorkragende in die Wände integrierte Vitrinen geben die Möglichkeit zur Ausstellung. Mit buntem Mosaik verkleidete Rundpfeiler prägen das Aussehen der Vorhalle zum Bühnensaal.

Diese durch die Architektur evozierte Atmosphäre von Leichtigkeit und Transparenz entsprach besonders gut den Zielrichtungen, die die Politik mit der Errichtung des Fritz-Henßler-Hauses verfolgte: eine Stätte zu schaffen, wo sich organisierte und nicht-organisierte Jugendliche untereinander, aber auch mit den dort sich fort- und weiterbildenden Erwachsenen begegnen konnten, einen kulturellen Punkt in der Stadt einzurichten, wo nicht im Sinne von Schule gelernt wird, sondern die "schöpferische Leistung" neben dem Einüben demokratischer Regeln durch das Miteinander im Vordergrund steht.

Dem entspricht auch das Raumprogramm, das die Architekten in Zusammenarbeit mit Trägem (Kultur-, Jugendamt) und Nutzern (Dortmunder Jugendring) erarbeiteten: Ein wichtiges Element bildete der Veranstaltungssaal mit 306 Plätzen, u.a. für die Inszenierung eigener Theaterstücke, aber auch für Filmvorführungen gedacht. Fachleute loben noch heute seine Akustik, "die beste Dortmunds". Zusätzlich gab es in diesem Trakt u.a. Garderoben- und Bühnennebenräume sowie die Bücherei der Jugend mit Lesesaal und Magazin- und Nebenräumen, in der sich jetzt ein Jugendcafe befindet. Weiterhin verfügte das "Haus der Jugend", das zu Beginn nicht als Haus der offenen Tür im üblichen Sinne fungierte, sondern von fast 150 Jugendorganisationen und für Veranstaltungen der städtischen Jugendpflege und der Jugendmusikschule genutzt wurde, Werkräume für Holz, Metall, Nähen und Zuschneiden, Weben, Keramik, Foto, Elektrobasteln und Bildhauerei, dazu Räume für Tischtennis, Gymnastik und ein Tonstudio, Aufbewahrungsraum für Zelte, Skier usw. sowie eine Anzahl von Heim- und Spielräumen und ein Musikzimmer. Vortragssaal und Gartensaal waren für die gemeinsame Nutzung durch das "Haus der Jugend" und die Träger der Erwachsenenbildung vorgesehen. Für die Stadtbildstelle gab es u.a. über eine Dunkelkammer, Vorführ- und Aufbewahrungsräume. Verschiedene kleinere und größere Hör- und Unterrichtsräume dienten der Volkshochschule. Das Auslandsinstitut nutzte neben einer Reihe von Hörsälen auch Clubräume. Allen Benutzern waren Büros, Teeküchen, sanitäre Einrichtungen in erforderlicher Größe eingerichtet.

Das Fritz-Henßler-Haus, dessen endgültige Bausumme bei der Endabrechnung am 13.01.1960 rd. 4 Millionen DM betrug - nur 52.000 DM über den geplanten Mitteln, und 3,6 Millionen DM von der Stadt Dortmund selbst fianziert - avancierte bald nach der Aufnahme seiner Bestimmung zu einem Musterbeispiel für andere Gemeinden. In den Unterlagen des Jugendamtes befinden sich Anfragen u.a. aus den Städten Saarbrücken, Berlin-Zehlendorf, Gelsenkirchen, Schwelm, Lünen, dem Landkreis Unna und der Stichting Ruimte voor de jeugd, Rotterdam, die eventuellen Vorbildcharakter des Fritz-Henßler-Hauses für Neueinrichtungen in ihren Mauern sahen.

Das "in seiner Gestaltung eigenwillige und in seinen Wirkungsmöglichkeiten einmalige Bauwerk [wurde] zum repräsentativen und zeitnahen Bildungszentrum Dortmunds" (Rundschau für Dortmund, 25./26.10.1958). Seine Bedeutung für die Geschichte der Menschen in Dortmund liegt darin, daß es zum einen die wirtschaftliche Kraft und den Willen der Stadt zum Wiederaufbau in den 1950er Jahren verdeutlicht. Zum anderen bezeugt es eine demokratische Tradition der ehemaligen Arbeiterstadt, die in den 1920er Jahren mit Einrichtungen wie dem Volkspark und dem Haus der Jugend einsetzt und nach den Jahren der NS-Diktatur wieder aufgenommen wird: Den hart arbeitenden Menschen sollten in ihrer Freizeit Möglichkeiten zu Ausgleich, Erholung und Bildung bereitgestellt werden. So besaß Dortmund Mitte der 1950er neben dem Fritz-Henßler-Haus und einer Reihe von Jugendfreizeitheimen in den Vororten bereits wieder bedeutende Sportanlagen und die größte Volksbücherei Mitteleuropas. Trotz immer noch fehlender Wohnungen in der stark kriegszerstörten Stadt maß man dem Bau dieses Jugend- und Bildungszentrums Priorität bei. Die Offenheit der Stadt Dortmund für diese Aufgaben spiegelt sich eindrucksvoll in der Architektur wider.

Die Erhaltung und Nutzung des Fritz-Henßler-Hauses begründet sich zum einen in architekturhistorischer Sicht. Es bildet den ersten - und neben dem 1956 - 1959 errichteten Gesundheitsamt - heute einzigen großen Gebäudekomplex in der Dortmunder Innenstadt jener Stilrichtung der 1950er Jahre, die sich auszeichnet durch Form- und Materialvielfalt, farbliche und geometrische Kontraste, Asymmetrie sowie Einbeziehung des Außenraumes und mit Leitmotiven wie dünnen Stelzen, e t schwebenden Dächern" und schräg fallenden Mauerkanten arbeitet. Hinzu kommt die Verwendung seriell vorgefertigter Elemente wie Metallfenster und Stahlglastüren. Mit dem Fritz-Henßler-Haus, das durch die Überspielung der Raumgrenzen durch großflächige Verglasung, die Einbeziehung des Innenhofs in das Raumnutzungsgefüge und Details wie dem geschwungenen Balkon auf einer Pilzsäule Elemente des in den baukünstlerischen Ideen der1950er Jahre eine große Rolle spielenden organischen Bauens verdeutlicht, entstand ein künstlerisch anspruchsvolles Objekt, das auch dem Laien auf einen Blick sinnfällig erfahrbar diesen Baugedanken vermitteln kann, der in dem deutlichen Versuch gründet, eine Gegenwelt zur Starre, Massigkeit und strengen Symmetrie der offiziellen Architektur des "Dritten Reiches" zu schaffen.

Die Gartenhofgestaltung in ihrer Kombination von Architektur bzw. Plastik (eingetieftes Wasserbecken, Brunnen-, Wasserskulptur) und lebendem Bewuchs (immergrüner und laubabwerfender Baum- und Strauchbewuchs, u.a. eine in die Liste schützenswerter Bäume eingetragene Paulownia von beträchtlicher Größe und individuellem Wuchs) besitzt künstlerische Qualität.

Der Komplex bildet zweifelsohne ein bedeutendes Werk im noch nicht inventarisierten und erforschten Oeuvre des Architekten Fido Spröde, der vor allem für die Gestaltung verantwortlich zeichnete. Mit seiner Beauftragung wagte die Stadt Dortmund zum erstenmal die Zusammenarbeit mit einem privaten Architekten, "zur Probe" wie der damalige Oberstadtdirektor der Presse mitteilte. Der geglückte Versuch entwickelte sich zu einer bis heute geübten Praxis.

Kulturgeschichtliche Bedeutung kommt der Tatsache zu, daß hier nicht ein reines Haus der Jugend oder eines der Bildung errichtet wurde, sondern eine Kombination, die den demokratischen Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen fördern sollte. Der auch bestehende Wunsch nach Selbstkonzentration, der teilweise auch vorgeschrieben war, zum Beispiel durch den Landesjugendplan, wird im Innern des Gebäudes greifbar deutlich durch die mögliche Verschließung von Glastüren zwischen den Nutzungsbereichen.

Die offene und farbenfrohe Architektur dokumentiert auch den jugend- und bildungspolitischen Gedanken, von dem die Einrichtung geprägt wurde und wird. Sie ist Ausdruck für freiwilliges, spielerisches Lernen von Erwachsenen und Jugendlichen, abseits der Zwänge von Beruf und Schule.

Zugleich ist der Gebäudekomplex auch ein geschichtliches Erinnerungsmal, das ausdrücklich dem Gedenken an den ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister Fritz Henßler als Denkmal gewidmet wurde. Mit der Umbenennung der Holzhoffstraße in Geschwister-Scholl-Straße, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau des Fritz-Henßler-Hauses steht, wird augenfällig, auf welche Tradition sich die Stadt in ihrer künftigen Entwicklung beziehen will: zum einen auf die Weimarer Republik, in der Fritz Henßler als Sozialdemokrat politisch aktiv war, zum anderen auf den Widerstand gegen die nationalsozialistische Willkürherrschaft, in dem sich sowohl die Geschwister Scholl als auch Henßler ausgezeichnet hatten.

Zu diesen wissenschaftlichen Gründen für die Erhaltung des Objekts treten städtebauliche hinzu. Das Gebäude liegt an der nach dem Planungskonzept des Wiederaufbaus wichtigsten Straßenkreuzung der Innenstadt nach der Neutor-Kreuzung am südlichen Wall. Am Fritz-Henßler-Haus trifft als Pendant dazu die damals bedeutendste Nord-Süd-Achse der Innenstadt auf den historisch und verkehrstechnisch signifikanten Wall. Durch den Krieg war bis auf einen geringen Rest die ehemals kleinteilige Bebauung verschwunden. Der Baugrund diente zunächst als Grünanlage. Nach den Planungsrichtlinien, die hier eine Verbreiterung der Straßen auf 32 m vorsahen, sollte hier eine von Großzügigkeit geprägte Stadtlandschaft entstehen. Der Architekt Fido Spröde hat die damit verbundenen städtebauliche Herausforderung angenommen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Stirnseite des Westtrakts, die sich als fast geschlossene Natursteinwand quasi dem auf sie zurollenden Verkehr der Nord-Süd-Achse entgegenstellt.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Fritz-Henßler-Haus sowohl in baugeschichtlicher als auch architektonischer Hinsicht ein bedeutender Zeuge der 1950er Jahre in der Dortmunder Innenstadt ist, prägend für das Stadtbild und nutzens- und erhaltenswert aus mannigfaltigen Gründen.

Gesteigert wird der Denkmalwert durch die noch reichhaltig vorhandenen Details der Innenausstattung, von Lampenschirmen über Wandverkleidungen bis zu Türgriffen, von der Saalbestuhlung über die Bühnenausstattung und zwei Filmvorführgeräten aus der Erbauungszeit bis zu Originalheizkörpem und -schaukästen. Sie dokumentieren in Form, Farbe und Material Gestaltungsgrundsätze und Design der 1950er Jahre.

gez.

Hofmeister

Ltd.-Städt. Baudirektor