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1. Internationales Dortmunder Kinder- und Jugendzirkusfestival

Die teilnehmenden Gruppen:

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Jeugdcircus Fantastini, Groningen (Niederlande) Kinder- und Jugendcircus Bunttropfen
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Circus Monte Sandino, Monheim Zirkus Fritzantino, Dortmund
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Théâtre Cirqule, Ecole de Cirque de Genéve, Schweiz Circus Harlekin, Freiburg
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Ludvika Minicircus, Ludvika, Schweden Circus Configurani, Aachen

ZIRKUSLUFT MACHT SÜCHTIG

Nirgendwo ist der "zirzensische Zauber" so hautnah zu spüren wie im Kinderzirkus.
Wo »Backstage« hinter dem Vorhang noch Hektik und Aufregung herrscht, ist in der
Manege Spannung pur zu spüren - die Luft flirrt vor Konzentration und Hingabe,
wenn die Zirkuskinder stolz ihre Künste präsentieren, um anschließend strahlend
den Applaus entgegenzunehmen.

Bewundern konnte das Publikum eine Auswahl an Kinder- und Jugendzirkuskünsten
auf dem 1. Internationalen Dortmunder Kinder- und Jugendzirkusfestival, das im Juni
vom ortsansässigen Zirkus Fritzantino präsentiert wurde. Viele Einzelpräsentationen
der neun geladenen Kinder- und Jugendzirkusse waren eingebunden in ein großes Thema.

So heißt das aktuelle Programm des Schulzirkus' Monte Sandino aus der Gesamtschule
Monheim am Rhein »Monte Sandinos Zeitmaschine«. Clown Charlie, eine kleine Handpuppe
und Maskottchen des Zirkusses, betätigt unbemerkt den großen Hebel der Zeitmaschine
und begibt sich auf eine Reise durch das letzte Jahrhundert. Er bestaunt vier kokette
Mädchen am Trapez, die nach Edith Piafs Chanson »Non, je ne regrette rien« ihre Kunst
lasziv im kurzen Mini, roten Netzstrümpfen und Federboa präsentieren. Nach Pink Floyds
»The Wall« bilden 21 Kunstturner/innen im sandfarbenen Outfit eine menschliche Mauer,
die sich in akrobatische Formationen auflöst und schließlich fällt. Zur Star Trek Melodie
findet auf eine Leinwand projiziert die Mondlandung statt, eine Stimme warnt: »Houston,
wir haben ein Problem«. In dunkler Manege tauchen mit rot leuchtenden Bällen jonglierende
außerirdische Schattengestalten auf.

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Circus Zappelino

Der Straßentheaterzirkus Configurani des Viktoria Gymnasiums Aachen zeigte sein
neues Programm »Streetlife«. Auf dem Markt wurde mit fliegendem Gemüse jongliert,
Skateboarder machten die Straße unsicher, Bauarbeiter hantierten auf dem Hochseil,
in der Schule fand eine Einrad-Prüfung statt ...

Rasant ging es bei der Fantasie-Show »NANGIJALA - Circus in Space« vom Circus
Fantastini aus Groningen zu. Technisch zeigten sie sich fast zu perfekt.
Angestrengte Gesichter in bunt-glitzernden Weltraum- und Artistenkostümen
zeugten von dem Stress der schnellen Nummernabfolge. Ein Highlight zu Hits
aus den Charts jagte das nächste: Feuerdiabolos und Devilsticks flogen durchs Zelt,
mit scharfen Messern jonglierende Girls auf Rola-Rola Brettern und Feuerfontänen
spuckende junge Männer ließen alte erschauern - zum Nachahmen nicht empfohlen!

Zirkus Fritzantino, seit 23 Jahren im Fritz-Henßler-Haus der Jugend in Dortmund aktiv,
begeisterte hingegen Publikum und Fangemeinde mit einer bunten Palette der
Zirkuskunst ä la Roncalli: Seiltänzer/innen pflückten Rosen vom Seil, Mädchen
im smarten Pink-Panther-Kostüm führten gekonnte Stuhlakrobatik vor. Hippies
auf Einrädern besetzten die Manege und tanzten auf ihren Rädern zur Flower-PowerMusik.
Coole Jungs im Lou Bega Look boten eine atemberaubende Diabolo-Nummer nach
 »Mambo No. Five«. Auch die Kleinsten stellten ihr Können bei einer
Seilchensprung-Nummer zu Rock´n Roll Musik unter Beweis.

Unbestrittener Höhepunkt des Festivals waren die Auftritte des Théâtre Cirque aus Genf
und des Ludvika Minicircus aus Schweden, beides professionelle Zirkusschulen mit
Hunderten von Aktiven, die bis zu sieben Tage in der Woche proben. Kunstvolle
Akrobatik und Jonglage bestimmen das Programm. Junge Frauen vom Théâtre Cirque
wickelten sich in von der Zeltkuppel hängende rote Tücher und Vertikalseile ein, wanden,
streckten, bogen sich und ließen sich unter Aah-Rufen aus dem Publikum bis zum
Manegenboden hinabrollen. Stepp-Tanz und Tango, Rock'n Roll und leise Töne mit
der Querflöte verzauberten das Publikum. Ein Bettler bändelte mit einem Straßenmädchen
an, das ihn mit Salti und Kapriolen bezirzte.

Im Ludvika Minicircus ging es weniger theatralisch, dafür aber sehr spritzig zu.
Clowns verschwanden in langen Pappröhren, streckten Po, Hände und Füße heraus
und amüsierten sich über die staunenden Zuschauer. Goldene Hoola-Hoop-Reifen
wirbelten um Sexy-Girls im schwarzen Lack-Mini. Kontrast dazu boten Mädchen in
transparenten Anoraks, die zu zauberhaftem Glockenklang auf weißen Schnee-Laufkugeln
über Rampen und Wippen balancierten, assistiert von kleinen Pinguinen. Ein Charleston-Girl
zeigte gewandte Fußjonglage. Am Hochseil hingen lässig graue Katzen, Cancan-Tänzerinnen
schwangen neonfarbene Unterröcke und schlugen bunte Räder. Ein beeindruckendes Finale
boten Hotelpagen im Livree auf Ein und Hochrädern. Slalom um schwedische Wimpel,
Hürden-, Seil- und Bocksprung von einem Rad ohne Sattel aufs andere, nichts schien
unmöglich.

Unübersehbar: Zirkuskinder sind sie alte aus Lust und Leidenschaft - professionelle
Verbissenheit bleibt (meist) außen vor, ist es für die meisten doch ein Hobby, das ihnen
Spaß macht und ihre Talente zu Tage fördert.

So wurde den Teilnehmenden des Dortmunder Zirkusfestivals eine Woche Zirkusleben
voller Inspiration, neuer Kontakte und internationalem Kulturaustausch geboten.
Den begeisterten, meist jungen Zuschauern blieben Gänsehäute, Schauer auf dem
Rücken, rote Hände vom Applaus und Staunen »Ob ich das wohl auch könnte?
« Na klar, einfach mitmachen und ausprobieren!

Eva Helrmsorig, freie Kinderkultur-Redakteurin

Dieser Artikel stammt aus dem "Infodienst Kulturpädagogische Nachrichten", Nr.: 57, Juli 2000

Herausgeber:
Bundesverband der Jugendkunstschulen
und kulturpädagogischen Einrichtungen
(BJKE) und Landesarbeitsgemeinschaft
Kulturpädagogische Dienste/Jugendkunstschulen NRW e.V. (LKD), 59425 Unna

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